Eltern entscheiden künftig nach qualifizierter Beratung
Am Mittwoch, den 07.12.2011 wurde es im Landtag beschlossen. Die verbindliche Grundschulempfehlung gehört nun auch in Baden-Württemberg der Vergangenheit an.
Foto: Gerd Altmann / pixelio.de
Schon bei den aktuellen Viertklässler haben die Eltern im kommenden Frühjahr das letzte Wort, welche weiterführende Schule ihre Kinder besuchen sollen. Dies betrifft auch mich, bzw. uns persönlich, da unser “Großer” aktuell die vierte Klasse besucht.
Ist die Abschaffung der verbindlichen Empfehlung gut oder schlecht? Ich bin da gespalten.
Sicher funktioniert es in anderen Bundesländern schon lange, dennoch sehe ich vor allem in der Anfangszeit Probleme auf die weiterführenden Schulen, aber auch auf Eltern und Kinder zukommen.
Gerade weil wir selbst betroffen sind und das Thema schon lange zur Diskussion stand, hat man sich natürlich viele Gedanken gemacht und mit anderen Eltern gesprochen.
Es waren Eltern dabei, die meinten, dass ihre Kinder “unbedingt” auf das Gymnasium müssten – Sonst hätte man ja später keine Chance mehr, im Berufsleben zu irgendetwas zu kommen. Andere Eltern möchten ihre Kinder nicht überfordern und möchten ihnen das Gymnasium “ersparen” – Trotz Notendurchschnitt, von 1,x und großer sozialer Kompetenz. Eines ist zumindest klar, ich habe fast keine Eltern gesprochen, die ihr Kind auf jeden Fall in die Hauptschule/Werkrealschule schicken möchten. “Notendurchschnitt von 3,5 in den Hauptfächern reicht doch locker für die Realschule. Soll sich das Kind eben noch mehr hinsetzen und die Freizeitaktivitäten werden ersatzlos gestrichen”.
Werden die weiterführenden Schulen in den 5. und 6. Klassen dann erstmal sieben müssen, um dann den Markt zu regulieren und die Hauptschulen aufzufüllen? Oder sind die Sorgen unberechtigt und die überehrgeizigen Eltern eher die Ausnahme? Immerhin gibt es statt der verbindlichen Empfehlung eine “qualifizierte Beratung durch den Lehrer, bzw. die Lehrerin”.
Meiner Meinung nach liegen bei uns ganz andere Themen der Bildungspolitik im Argen. Wichtiger wäre z.B., die Kinder länger gemeinsam lernen zu lassen. Damit wäre auch die schwere Entscheidung, welche Schulart in Frage kommt leichter, weil die Kinder einen ganz anderen Entwicklungsstand hätten.
Über die Zukunft eines 9- oder 10jährigen Kindes zu entscheiden ist tatsächlich wahnsinnig schwierig. Sowohl für Lehrerinnen und Lehrer (wie bisher), als auch zukünftig für die Eltern ist es oftmals mit einem Lotteriespiel gleichzusetzen, wie entschieden wird. Warum lässt man die Kinder nicht bis zu 6. oder sogar 8. Klasse zusammen lernen?
Ich weiß, dass es dazu unterschiedlichste Meinungen gibt. Unter anderem bremsen die Schwachen angeblich die Starken. Ich glaube das nicht und denke eher, dass die Schwachen profitieren, was die schulischen Leistungen angeht und die Starken werden zusätzlich in der sozialen Kompetenz gefördert, wenn sie sich um die schwächeren Schüler kümmern.
In Hamburg ist man mit diesem Anliegen bei einem Volksentscheid überraschend gescheitert. Wäre ein Volksentscheid diesbezüglich auch in Baden-Württemberg denkbar? Würde man hier eine Mehrheit bekommen?
Die Meinungen und Ansichten sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Sicher ist nur, dass sich noch mehr ändern muss, als die nur die jetzt beschlossene Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung. Dies war für nur der Weg des geringsten Widerstands.
Bitte nicht falsch verstehen. Bei der aktuellen Regelung, bei der die Kinder nach der 4. Klasse aufgeteilt werden, ist die Abschaffung wohl eher richtig als falsch. Ich halte es einfach so oder so für den falschen, für einen zu frühen Zeitpunkt, um über die Zukunft unserer Kinder zu entscheiden.
Die eierlegende Wollmilchsau gibt es bekanntlich nicht, so auch nicht im Bildungsbereich. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt und wie sich die “qualifizierten Beratungen” durch die Lehrkräfte bewähren, beziehungsweise wie ernst diese von den Eltern genommen werden. Warten wir es ab und hoffen wie immer das Beste, vor allem für unsere Kinder und deren Zukunft!
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